Das Elektrische Paradies

D 2010

Ein aleatorischer Film in sechs Teilen von Michael Busch

Laufzeit 208 min.

Super8, 16mm, 35mm, Video VHS, Hi8, DV und HD auf HD CAM Tapes

Farbe und Schwarzweiß

UA Internationales Forum Des Jungen Films, Berlinale, Forum Expanded

Die einzelnen Teile des Gesamtfilms könnnen in BELIEBIGER REIHENFOLGE zur Aufführung gelangen.

25 frames aus jeder Einstellung der sechs Filmteile (Trailer)

KURZ SYNOPSIS
DAS ELEKTRISCHE PARADIES ist ein aleatorischer Film in sechs Teilen,
ein ausufernder, persönlicher Filmkosmos, eine autobiografische Fiktion über den Begründer der Hohlwelttheorie Cyrus Reed Teed mit Hilfe von inszenierten, zitierten, dokumentarischen und materialistisch bemalten Bildern.

Sechs Einzelfilme umkreisen das Thema Autobiografie und Selbstbegegnung. Aktuell gedrehtes Material trifft auf Filmmaterial aus den Jahren 1988-89, den Wendejahren.
Ein Film übers Altern, ein Film als Jungbrunnen.

Die einzelnen Filme:

NACHT & TRÄUME (10:28’)

16mm, Super8 und Video VHS

Darsteller: Inga Busch, Zebu Kluth, Eva Heldrich, Werner Türk, Simone Müller

Kamera: Michael Busch und Marcus Winterbauer

Der Film, benannt nach einem Schubert Lied, ist eine Hommage an den 16mm Filmschnitt. Er versammelt mehrere spielfilmhafte Selbstbegegnungs – Szenarien und einen Text von Marcel Proust.

NIGHT NOW (13:16’)

HD Video

Textlandschaft, Wörter und Sätze rauschen vorbei. Selbstbegegnung mit Katze. Reduktion des Films von Bildern zu Worten.

Night Now zitiert den Schluß von Finnegans Wake von James Joyce in Form einer Textlandschaft. 10 Minuten lang rauschen die Texte, Monologe, Dialoge aus den andern Filmteilen vorbei, manche lesbar, manche nur als Landschaft aus Buchstaben und Wörtern erfassbar, im Ganzen eine rythmische Collage aus dem Textkorpus des Gesamtfilms.

HALLUZINATION / BERLIN / ALBUM (23:24’)

Super8, Video VHS, Video DV

Kamera: Michael Busch und Marcus Winterbauer

Ein West Berliner Mauerfilm, ein dokumentarisches Bilderalbum, das Aufnahmen von 1989 bis 2009 enthält, eine persönliche West Berliner Geschichte zwischen Mauer-Malerei, Punk, Aufstieg und Niedergang der Love Parade und halluzinierter Stadt, die in die Nacht treibt. Der Film fügt den anderen Teilen einen genauen Ort und die Einbettung in eine subjektive Geschichtschreibung zu.

AUSZEIT / GARTENFILM (26:05’)

HD Video

Darsteller: Alex, Charlotte und Romy Engel, Karla Schieferstein

Kamera: Michael Busch und Marcus Winterbauer

Rückzug in den Garten, Auflösungstendenzen, narrativ, dokumentarisch

Im Stil Carl Theodor Dreyers „Vampyr“

Film mit Story. Der Protagonist zieht sich in ein Gartenhaus zurück, verliert seine Stofflichkeit und geistert als transparentes Wesen auf dem Grundstück herum. Es ist der Abend im November 2008, an dem Barack Obama als Präsidentschaftskandidat bestätigt wird. Er steigt in einen mit Wasser gefüllten Schacht, um am anderen Ende um 20 Jahre verjüngt wieder aufzutauchen. Eine Prostituierte und seine Familie kommen zu Besuch.

GEDANKEN /LANDSCHAFTEN (60:07’)

16mm, Super8, Video Hi8 und HD

Darsteller: Simone Müller, Peter Hein, Klaus Lohmeier, Lars Löllmann

Kamera: Michael Busch und Ernst Kubitza

Die Krise erreicht die Städte, ein unterirdischer Kinosaal, die Sintflut kommt über Europa, im CERN unter Genf entsteht Seltsame Materie, das Wasser wird infiziert.

Gedanken/Landschaften ist ein vorwiegend analog gedrehter Film. 16mm Material, palimpzestartig bemalte Super 8 Filmbildern treffen auf assoziative Texte, die ein Umweltkatastrophenszenario zum Inhalt haben. Im Zuge der Bankenkrise 2008 fällt in Frankfurt a.M. der Strom aus, die Menschen flüchten aus der Stadt in unterirdische „platonische“ Kinosäle. Dann bricht, ausgelöst von dem Unfall im CERN unter Genf, der im September 2008 nach nur 36 Stunden Betriebsdauer zur Abschaltung des LHC -Large Hadron Colliders – führt, eine Sintflut über Europa herein, mit „Seltsamer Materie“ kontaminiertes Wasser lässt die Menschen ihr Gedächtnis verlieren. Expeditionen werden in die verwüsteten Küstenregionen geschickt, kommen aber nicht mehr zurück.

 

DIE WELT HÖHLE (71:11’)

16mm, Super8, Video Hi8 und HD

Darsteller: Cordula Daus, Alex Engel, Ursula Hellmuth, Agnes Treblin, Birgit Wentsch, Bernhard Dropmann, Volker Deutschmann, Ralf Stier

Kamera: Michael Busch und Marcus Winterbauer

Stummfilm über den New Yorker Sektengründer Cyrus Reed Teed, der als „Koresh“ an der Schwelle zum 20ten Jahrhundert eine Mittlerrolle zwischen Religion und moderner Naturwissenschaft einnimmt.

Eine biografische Fiktion mit Super 8 Kinderfilmen des Autors, ein Film über Altern und Erinnern.

Der naturwissenschaftlich begeisterte Dr Teed experimentiert Ende des 19.Jh im Selbstversuch mit Stromschlägen als medizinische Heilmethode und hat dann, als er im elektrischen Koma liegt, die Vision, die Menschheit lebe nicht auf der Aussenhaut der Erdkugel, sondern in ihrem INNERN. In einem endlichen Raum im Innern einer Kugel ist das Universum, wie wir es kennen und erforschen, eingeschlossen.

Unser Sonnensystem, Die Sterne, die Milchstrasse, alle Galaxien nehmen nicht mehr Platz ein als in eine Kugel mit einem Durchmesser von 12700 km hineinpasst.

Unsere Welt ist demnach nicht unendlich, sondern vielmehr ein begrenzter Raum.

In der Folge schart er ein paar Hundert Anhänger um sich, um in den Sümpfen Floridas ein irdisches Paradies aufzubauen, unter Zuhilfenahme moderner Technik – u.a. versorgte ein Generator, gestiftet von Thomas Alva Edison – die Siedlung als eine der ersten in ganz Amerika mit Strom und elektrischem Licht. Mit vielen ihrer kommunistisch utopistischen Ideen ecken die Koreeshans, so der Name seiner Sekte, mit den umliegenden Gemeinden an. Teed kommt bei Unruhen ums Leben und wird wochenlang von seinen Anhängern, die an seine Wiedergeburt glauben, nicht beerdigt.

Je nach Anfangsfilm wird das ELEKTRISCHE PARADIES anders gelesen, gesehen, erfahren werden. Es gibt einen dokumentarischen Ansatz, einen spielfilmhaften, einen assoziativen usw. Einmal ist der Film ein Spielfilm mit ihn umgebenden Kommentaren und Dokumenten, einmal ist es ein dokumentarisches Biopic mit spielfilmhaften, stummfilmhaften Ausflügen, es kann auch ein experimentelles Wörterpuzzle sein, das nach und nach die Texte zu Bildern visualisiert. Der Film kann mit und in Berlin anfangen und in New York oder in der Schweiz enden oder umgekehrt. Viele Kombinationen sind möglich, der filmische Raum kann durch sechs Türen betreten und verlassen werden.

Berlinale Aufführung link